Die Kultstätte wurde im 6. Jh.v.Chr. (Hallstattzeit) von einer einheimischen Bevölkerungsgruppe gegründet. Aus dieser Zeit stammt ein rechteckiger Feueraltar aus Muschelkalkstein, der auf einer Seite von einem Stein-Erde-Wall umgeben war. Hier wurde in mehreren Gefäßen heilige Mahlzeiten zubereitet und Speiseopfer dargebracht. Eine Steinstele als Symbol einer Gottheit bildet das Zentrum in einem umwallten Rundheiligtum. Aus der Späthallzeit stammen kleine Holzidole in Klotzform, die sich in kleinen ovalen, mit Steinlagen oder Ruten abgegrenzten Opferstätten befunden hatten. In der Latenzeit entstand im Moorgebiet durch Auslaugungsprozesse im Untergrund ein See. An seinem Ufer wurden während der nächsten Jahrhunderte zahlreiche Heiligtümer verschiedener Gestaltungsformen errichtet.
Apsisförmige Opferstätten aus der Latenzeit lassen auf keltische Kulturimpulse schließen. Innerhalb der Anlagen befand sich ein mit Flechtwerk abgestützter Rasenaltar, an dem Pfahl- oder Stangenidole aufgestellt waren.
Ende des 1. Jh.v.Chr. gründeten die in dieser Zeit hier erschienenen Hermunduren ein großes Rundheiligtum mit in sich geschlossenen kleinen Gehegen. Im Zentrum dieser Anlage befand sich ein großer rechteckiger Rasenaltar, in dessen Umgebung zahlreiche Knochen von Tieropfern lagen. An der Westgrenze des Heiligtums wurden Schädelteile mehrerer Menschenopfer gefunden. Die Nordseite wurde durch ein Schwertidol und einen menschlichen Schädel gekennzeichent. Dieses Opfer kann zeitlich in die Kriege der Hermunduren mit den Chatten in der Mitte des 1. Jh.n.Chr. eingeordnet werden.
In der mittleren römischen Kaiserzeit wurden verschiedene durch Idole und andere Objekte gekennzeichnete Götter im Rundheiligtum verehrt.
Ein isoliertes Heiligtum mit dem Kantholzidol einer Göttin, das gallo-römische Einflüsse zeigt, repräsentiert das 3. Jh. Diese Göttin die u.a. Hirsch- und Eberopfer erhielt, kann mit der römischen Diana verglichen werden. Sie hatte in älteren Heiligtümern von Oberdorla auch eine Vorläuferin, die einen Bumerang als Jagdwaffe führte. In dem Heiligtum aus dem 3. Jh. befand sich der Sarg eines jungen Mädchens, das offenbar die Priesterin der Göttin war. Im 4. Jh. wurde diese Kultstätte völlig zerstört - möglicherweise im Zusammenhang mit politischen und religiösen Unruhen.
Zwei Schiffsheiligtümer aus dem 5. Jh. bilden einen weiteren Höhepunkt. Diese große Anlage gehörte zu einer männlichen Gottheit (durch Pfahlidol mit Hengsthaupt gekennzeichent), das kleinere Schiff (erhielt ein Rinderopfer) zu einer weiblichen Gottheit.
In der späten Völkerwanderungszeit war das Heiligtum ein großer Opferplatz. Seine feste Einzäunung ist durch einen Brand zerstört worden.
Trotz Christianisierung der Bevölkerung wurden in späteren Jahren hier noch Opfer gebracht. Das belegen u.a. Gefäße aus dem 10. und 11. Jh., sowie Hundeknochen aus oberen Torfschichten. Mit der Einrichtung des Archidiakonats von Oberdorla im 12. Jh. erloschen alle nichtchristlichen Kulthandlungen.
Literatur:
G. Behm-Blanke. Kultplätze und Religion; Archäologie der DDR, Band 1, Urania Verlag, 1989
F. Schlette. Auf den Spuren unserer Vorfahren; Verlag Neues Leben, 1982